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19.05.2013

Ich weiß aus wie vielen Ziegeln


Eintrag: #110

Ich weiß, aus wie vielen Ziegeln mein Haus besteht.

Ich weiß, wie viele Sterne man am Himmel sieht.

Ich weiß, wie viele Fische sich im Wasser tummeln.

Ich weiß, wie viele Tropfen der Regen hat,

Aber ich weiß nicht, ob Du mich noch liebst.

 

Ich weiß, wie viele Blätter die Bäume haben,

Aber ich weiß nicht, ob Du an mich denkst.

Ich weiß, wie viele Gedanken ich mir um Dich mache.

Ich weiß, wie viele Schritte ich von Dir weggegangen bin,

Aber ich weiß nicht, wie viele Stunden ich noch warten muss,

Um Dich wieder zu sehen.

 

Aber ich weiß auch nicht, ob Dein Herz noch für mich schlägt.

Ich weiß nicht, was aus meinen Kindern geworden ist.

Ich weiß nicht, ob die Bäume noch im Garten stehen;

Ob das Bächlein noch durch die Wiese fließt;

Ob die Veilchen und der Flieder noch immer im Mai erblühen.

 

Ob die Wege, die Du jeden Tag gehst, neu gepflastert sind.

Ob Du noch zur Schule gehst,

Ob Du noch immer die frische Milch beim Bauern holst;

Ob Du im Winter Futter in das Vogelhäuschen streust,

Ob der Schnee noch immer alles bedeckt mit seinem weißen Kleid.

 

Ob die Wiesen noch dieselben sind, oder neue Straßen sie durchqueren.

Ob die Kinder noch mit Puppen, oder mit Spielzeug spielen.

Ob Du Dich noch um mich sorgst.

Ob ich Dich noch meine Geliebte nennen darf.

 

Ob ich noch eine Heimat habe, die auf mich wartet.

Ob ich zurückkommen darf, um noch einmal all dies zu sehen, zu spüren.

Um diese Luft noch einmal zu atmen.

Um dort den letzten Atemzug zu machen und ob ich mich

In Deiner Erde ausruhen darf, von dieser langen Reise.

 

Ausruhen für immer, um Kraft zu haben.

Für die Reise, die noch länger sein wird, als die,

Von der ich jetzt zurückgekommen bin.

Ich weiß, wie viele Engel im Himmel sind, aber ich weiß nicht,

Ob die mich empfangen und ob die mich begleiten werden,

Hinauf zu Dir!

Der schwitzende Prophet!“ Jo, Versus-98

José de Encarnación


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04.11.2009

Rüben-Suppe statt Reben-Saft


Eintrag: #095


Die Tante und die Oma

haben heute sehr lange nachgedacht

und dann schnell viel kaltes Wasser heiß gemacht.

Dazu gaben Sie Kartoffeln,Rüben und Möhren,

weil sie wussten, dass die zu einer Suppe dazu gehören.


Nein, nicht mit kaltem Rebensaft

sondern mit heißem, Magen verbrühenden Rübensaft,

wurde ich durchflutet.

Hätte ich mit dem Messer eine Madonna geschnitzt

und dabei mich ein wenig in den Finger geritzt,

viel Wasser hätte ich geblutet.

Josef Bauer


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19.04.2009

Tristan und Isolde



Eintrag: #081


Ich sage es euch in einem kleinen Reim,
ach ja, da fällt mir ein,
es war im Burgen-Land,
wo ich so viele Burgen fand. 

Es war dort, wo so bitter
und so oft, die Isolde heulte.
Es war dort, wo Tristan der edle Ritter,
beim Raufen sich sein ehernes Blech-Gewand verbeulte. 

Wo der Ritter, ja der Edle, sechzig mal um den See herum lief.
Die Isolde, vor Gram nun doch einschlief.
Zum Glück für Isolde
Ja die selbige, die heulende Holde.
Kam nach dieser letzten Runde,
des Tristan Pferdes letzte Stunde.

Genau im Schatten eines Turmes,
das Pferd mit einem Seufzer den Dienst quittierte
und Tristan sich schnell im Keller einquartierte.
Dort hörte er das Heulen, nein, nicht des Sturmes,
sondern das Klagen seiner Braut. 

Mutig wie er war, hat er sich getraut.
Hinauf ins Dachgeschoss zu gehen,
um dort seinen Mann zu stehen.
Als Ritter war er ja schon geehrt.
Jetzt war es Zeit, dass er sich als Mann bewährt. 

Das hätte er aber lieber nicht gemacht.
Denn der Wirt, durch soviel Blech gescheppert,
um den Schlaf gebracht,
hätte ihn, ja den holden, Helden
nein, den,ehernen Ritter, beinahe umgebracht.

Ohne blecherne Socken und ohne Pferd,
hat er sich verbissen,
gegen den Wirt gewehrt
und ihn zuletzt beim Fenster hinunter geschmissen.

Der Ritter, der sich und aus der Heimat, auszog,
nur mit Blech bekleidet
im Sommer an der Hitze, im Winter, an der Kälte leidet,
ging hinaus in die Welt, um zu siegen. 

Eben, um die Isolde, die Holde, herum zu kriegen.
Ja, denn nur ausgezogene Ritter können in der Ferne Siege erringen
und so manche holde Isolde, bezwingen.
Weil er bei ihr offene Türen ein rannte,
neun Monate später, sie den ersten Nachkommen,
nach ihm benannte.

Dem kleinen Triste-lindo
folgte bald darauf eine Isolde-lindo(a).
Schon bald war der Turm zu klein,
da zogen sie in das Schlosse ein.

Seit diesem Tag hört man kein Heulen mehr, im Turme.
Doch das Scheppern, wenn Tristan sein Beinkleid in die Ecke stellt,
und er erleichtert in das gemeinsame Bette fällt,
das hört man noch jede Nacht, wie damals, im Sturme.

Josef Bauer



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31.03.2009

Dort oben sind Sterne ohne Namen

Eintrag: #079  


Ich beobachte den Himmel.

Dort oben sind Sterne ohne Namen –

aber sie leuchten.

Sie beleuchten den Weg dem Reisenden. 

 

Ich beobachte die Erde.

Dort unten sind Lichter ohne Namen –

aber sie leuchten.

Sie beleuchten den Weg dem Reisenden. 

Hoffentlich ist der Weg zu dir nach Hause

nicht deine letzte Destination. 

 

Pass auf dich auf, dass dir nichts passiert.

Man erwartet dich in deinem Haus –

und nicht auf dem Weg dorthin. 

Josef Bauer

(Übersetzung meines Gedichtes „Observando el cielo“)


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02.08.2008

Der Jäger und der Indianer



Eintrag: #044


Wenn der alte Indianer das Messer wetzt,
der Jäger die Hasen über Berg und Hügel hetzt,
und der Hase zu sich selber spricht:
„Jetzt versuche ich es mit einem Trick
und spanne schnell über den Weg einen Strick,
denn der Flintenmann
ist mir schon zu dicht dran.“

„Zuerst schlage ich beim Laufen noch ein paar Haken.“
„Das macht den Jäger müde. Soll er sich nur viel plagen.
Treffen wird er mich nicht,
dieser schlimme Flintenwicht.“

Der Jäger kommt daher gerannt
und gibt auf den Weg nicht acht.
Das Seil ist straff gespannt,
da fällt er auch schon hin, mit aller Macht.

Ungewollt mit einem Krach, sich das Gewehr entlädt.
Durch des Jägers Ungeschick, sich der Hase sein Leben rett (et).
Dem alten Indianer das gar nicht sehr gefiel.
Er fragt sich: „Trifft der Waidmann, denn niemals ins Ziel.“

Der Indianer steht im Schatten einer Tanne
und spricht: “Mit der Lauferei mach ich jetzt Schluss.“
„Denn,“ so sagt er, „ohne Bluterguss,
bekommt man keinen Langohrigen in die Pfanne.“

Der Indianer hat viel Kraft und viel Mut,
doch sehen tut er leider gar nicht mehr gut.
Mit ganzer Kraft dehnt er den Bogen
und gezielt hat er, das war nicht gelogen.

Doch es war nicht der Hase, welcher dort vor Angst laut zappelt.
Nein, es war der Jägersmann, der sich aufrappelt.
Er kam viel zu schnell heran, des Indianers Pfeil,
und traf den armen Jägersmann in seinem Hinterteil.

Der Indianer gerade sich noch freute,
doch ein wenig später, diesen Treffer sehr bereute.
Vor Wut und Schmach
lief der Jäger nun dem Indianer nach.

Wenn sie noch nicht müde sind,
laufen sie noch heute.

Don José

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