07.10.2009

Der gepflasterte Kreuzweg

 












Eintrag: #094




Wege sind aus Steinen gepflastert. Manches Mal sind die Straßen eben, manches Mal führen sie über hügeliges Gelände. Auch Flüsse werden überquert – dazu baut man Brücken, natürlich ebenfalls aus Steinen. 

Selten sind die Wege, die wir im Leben gehen müssen, glatt und eben. Viel öfter müssen wir Hindernisse zur Seite räumen, um ein Stück weiterzukommen. Doch wohin mit den Problemen, die unsere Seele belasten und wie schwere Steine unser Vorankommen behindern? 

Mit den Steinen, die wir aus dem Weg räumen, können wir neue Wege pflastern.

Mit den Problemen, die wir lösen, können wir unsere Persönlichkeit stärken. 

Wie schön ist doch die Idee: Wenn dir die Lasten des Lebens zu schwer werden, trage sie zur Kirche. Aus den kleinen Felsstücken macht man herrliche Ornamente – oder, wie auf diesem Bild, ein Kreuz.





Beinahe erscheint es mir, als wäre dieses Kreuz sinnbildlich der Weg, den man aus genau jenen Hindernissen gebaut hat, über die man im Leben gestolpert ist. 

Die Probleme des Herzens und der Seele kann man nicht vor der Kirche ablegen – sie muss man hineintragen. Doch wenn man nur einige Minuten in der Stille einer Kirche verbringt und versucht, sich selbst und die Welt nicht ganz so wichtig zu nehmen, wenn man sich der Vergänglichkeit so vieler Dinge bewusst wird, dann geschieht mit Sicherheit eines dieser kleinen Wunder:  Plötzlich spürst du, dass du befreiter gehen und denken kannst. Die Lasten sind leichter geworden. Der Weg ist frei von Steinen, die Seele frei von Beklemmung. 

Pflastere mit deinen Bemühungen – im Sinne von Verfehlungen ein schuldenfreies Leben zu führen – deinen eigenen Weg.


So wird dein Lebensweg zu einem gut gepflasterten Kreuzweg, den du gehen kannst. Das Kreuz wird dann nicht zur Last auf deinem Rücken, sondern zu deinem Weg selbst. Deine Schritte und deine Gedanken werden sich erleichtert dorthin bewegen, wohin du zu gehen hast. 

Don José


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13.08.2009

Ich habe dich zum Beißen gerne








Eintrag: #093





Dieser kleine Hund wurde schnell zu meinem neuen Freund.  





Zuerst war er noch etwas scheu, als er sich mir näherte. Doch meine lockenden Worte halfen ihm, seine Angst zu überwinden und seine Neugier zu bestärken.  Wenn du genau hinschaust, siehst du, dass er sich unterwürfig auf den Rücken legte – damit ich ihn ja nicht als Gegner einstufe. Ein Hund spricht nämlich intensiv mit der Körpersprache. 

Jede Geste ist ein Ritual und drückt etwas aus.  Wenn du Hunde längere Zeit beobachtest, kannst du mit ihnen sprechen – nicht in unserer Sprache, aber mit ruhigem, freundlichem Ton.  Der Hund will ja nicht wissen, wie spät es ist oder wer vor fünfhundert Jahren irgendwo regiert hat. Er will nur wissen, ob du jetzt, in diesem Moment, ruhig und gelassen bist oder nervös.  

Das eine wäre ein guter Augenblick, Kontakt aufzunehmen – Freunde unter den Menschen kann man nie genug haben –, das andere sollte er besser vorbeigehen lassen und nicht zu nahe kommen (in dem Fall an meinen Fuß).  Ja gut, dachte sich der Hund, wenn er schon so verlockend mit mir spricht und mir sogar seinen Schuh hinhält, in den ich so gerne hineinbeißen würde, dann komme ich halt ein bisschen näher – aber nur, weil er so drängt.  



Ja, solche Überlegungen hat ein Hund – aber keine Jahreszahlen oder Bankkonten, auf denen zu wenig steht.

Um etwas, was man nicht hat (in dem Fall zu wenig Geld), braucht man sich ja auch nicht zu kümmern. Die Menschen sind doch komisch, würde der Hund denken. Sie sorgen sich um Dinge, die sie nicht haben, statt sich über das zu freuen, was sie haben – zum Beispiel über einen richtig gut schmeckenden Schuh. Den möchte ich jetzt endlich einmal kosten.  

Genau dieses Spiel haben wir miteinander gespielt. Er biss kleine Löcher in meine Schuhe, und ich streichelte und kraulte ihn hinter den Ohren.  So wurden wir Freunde – und wenn er nicht irgendwo noch besser schmeckende Schuhe gefunden hat, sind wir es auch heute noch.

Ich hatte leider vergessen, ihn nach seinem Namen zu fragen, aber das hole ich beim nächsten Mal nach und erzähle euch dann, wie er mir das übersetzt. 

Don José



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